Im tiefsten Weinviertel und im befreundeten Ausland

Dienstag, der 17.6.2014:

Die Überschrift heute könnte auch lauten „Auf der Suche nach dem Weinanbau im Weinviertel“, aber wie wir später sehen werden, gibt es dazu eine Lösung.

Aber bei der Routensuche für den heutigen Dienstag steht das Weinviertel auf dem Programm, und zwar nicht wegen der o.g. Suche, sondern weil wir nach Laa an der Thaya fahren werden, und das liegt nun mal im Weinviertel.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Viele unserer Routen, wenn auch nicht alle, haben uns über die Wachau geführt und entsprechend oft haben wir diesen Microkosmos befahren – und haben jedes mal aufs Neue Freude an der kleinen Landschaft. Und wie schon oft, entdecken wir auch diesmal wieder etwas Neues.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Und zwar die Venus von Willendorf, die 1908 hier in der Wachau gefunden wurde. Die süße kleine Lady ist doch tatsächlich über 25.000 Jahre alt.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Immerhin schafft es das putzige Figürchen auch heute noch, die Menschen zu aktivieren wie die Aktionskünstlerin mit ihrer „Ein Zuviel an Licht“ Aktion.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Werfen wir nun einen letzten Blick auf die Weinberge der Wachau, denn vom Weinanbau werden wir im Weinviertel nicht allzu viel sehen – soviel sei schon im Voraus verraten.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Das Schmidatal liegt bereits im Weinviertel und ist eine durchaus reizvolle Landschaft, aber die angebaute Weinmenge hält sich in Grenzen.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Abgesehen vom fehlenden Wein gefällt uns die Region aber sehr gut.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Im LIDL-Markt von Hollabrunn frischen wir unsere Vorräte an Landjägern und Vösslauer Säften auf.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Und bald darauf finden wir ein schönes Plätzchen für unser Mittagessen.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Was ich auf den ersten Blick für eine Ferienhaussiedlung gehalten habe, sind halb ins Erdreich gegrabene Weinkeller. Weinkeller? Also muss es hier doch irgendwo Weinanbau geben.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Die nahegelegene Domäne baut alles an, nur keinen Wein.

Auf dem weiteren Weg nach Laa an der Thaya passieren wir erneut eine Kellergasser, also eine Ansammlung von Weinkellern. An einer der Türen hängt ein großes Umleitungsschild mit der Aufschrift „U2 – Schottenring“. Das kann nur eine Fata Morgana sein aber später bestätigt mir Jürgen, dass er es auch gesehen hat. Hier waren also schon Vogelsberger vor uns.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Laa an der Thaya liegt direkt an der Grenze zur Tchechien und ist eine hübsche kleine Stadt mir einem prächtigen Rathaus.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Direkt auf der ehemaligen Grenze befindet sich heute ein großer China-Markt mit allem, was Du zum Leben nicht brauchst. Jürgen betrachtet den Konsum- und Schund-Tempel mit Argwohn.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Eine Familie aus Wien zeigt uns die frisch erworbenen Porno-Zwerge – oder nennen wir sie lieber Erotik-Zwerge.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Ein seltsamer Kaufzwang zieht mich immer tiefer in den Philister-Tempel hinein. Und tatsächlich entdecke und kaufe ich etwas: Ein Survival-Tool namens Traveler. Die extrem schöne Chinesin versichert, dass es sich dabei um beste Qualität handelt. Aussehen tut es jedenfalls sehr gut in seiner Camourflage-Hülle, und wenn ich es quasi nicht benutze, wird es vielleicht eine zeitlang halten.

Und dann machen wir einen Riesenfehler: Wir beschliessen, nach Tschechien zu fahren und von dort in einem weitem Bogen über Znojmo und den Nationalpark Thayatal wieder zurück nach Österreich. Also EU-mäßig und gewohnt unspektakulär über die Grenze und erst mal ein paar Kilometer hinein in den ehemaligen Ostblock.

Bereits in der nächsten Ortschaft ist die Straße unserer Wahl gesperrt und eine Umleitung ist nicht ausgeschildert. Wir improvisieren also und geraten dabei immer tiefer ins Land hinein: Straßen in unsere Richtung scheint es nicht zu geben.

Die Straßen werden immer schlechter, die Gegend ist langweilig und öd und dazu brennt eine gnadenlose Sonne. Nach gefühlt unendlichen Kilometern gibt es dann endlich wieder Hinweisschilder auf Znojmo, denen wir folgen. Wenn wir aber schon die Beschilderung auf dem flachen Land als …. unzulänglich empfunden haben, so zeigt uns Znojmo, wie ein wirkliches Schilder-Chaos aussieht. Ausser Wien ist quasi keine österreichische Stadt ausgeschildert, aber einmal entdecken wir doch einen Hinweis auf Retz, der sich aber nie wiederholt.

Ich schreibe es unserem reinen Glück zu, dass wir es irgendwie geschafft haben, den Ort wieder in Richtung Grenze zu verlassen. Dass wir dazu in Richtung Wien mussten, haben wir gern in Kauf genommen.

Auf dem Weg zur Grenze passieren wir das Vergnügungszentrum Excalibur, ein gewaltiger Einkaufs,- Porno- und Neppschuppen direkt an der alten Grenze. Das Ganze sieht so kitschig und widerlich aus, dass wir nicht einmal anhalten und nur noch eines wollen: Raus aus Tschechien.

Wir sind überglücklich und fallen uns beinahe in die Arme, als wir wieder österreichischen Boden unter den Füßen haben. An Tschechien jedenfalls haben wir nichts Schönes gefunden, obwohl ich sicher bin, dass es auch dort herrliche Landstriche gibt. Aber diesmal sind wir mit dem Land nicht warm geworden.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Über die österreichische Beschilderung wird nie wieder ein böses Wort über unsere Lippen kommen, obwohl die auch manchmal … suboptimal ist. Aber wir finden den schönen Ort Retz und suchen uns erst einmal ein hübsches Cafe am Hauptplatz.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Der Hammer ist, dass nicht nur meine Frage nach Mohnkuchen positiv beantwortet wird, sondern dass sogar Mohnkronen vorrätig sind. Nach dieser kulinarischen Köstlichkeit ist die tschechische Negativ-Einlage vergessen – fast.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Wir ziehen weiter durchs Weinviertel über die B35 in Richtung Wachau, als ich es am Straßenrand entdecke: Weinstöcke! Es gibt sie also wirklich im Weinviertel und damit ist meine Weltordnung auch in diesem Punkt wieder in Ordnung.

Jetzt befahren wir das Kamptal in der anderen Richtung, also von Norden nach Süden, was durchaus reizvoll zu fahren ist. Das empfinden offensichtlich nicht nur wir so, denn plötzlich werde ich bei Tempo 100 rasant überholt. Kaum an mir vorbei, geht der Fahrer der älteren BMW K100 ordentlich in die Eisen, um dann zwischen Jürgen und mir mit zu schwimmen.

Nach etwa 2 km wird mir das seltsame Verhalten klar: Ein Polizist winkt uns alle drei heraus und konfrontiert uns mit dem Display seiner Laserpistole: Die zeigt 147 km/h an. Oha, dass ist arg viel, aber Jürgen und ich sind uns sicher, im Limit von 100 gefahren zu sein. Auch der Österreicher schwört Stein und Bein, mich nur kurz überholt zu haben und dann ebenfalls die 100 eingehalten zu haben.

Jürgen und ich sind durchaus bereit, es hier auf einen Streit ankommen zu lassen, aber der Polizist ist pragmatisch. Die Übertretung kann er keinem von uns eindeutig zuordnen und so lässt er uns mit den Worten „Fahrts weiter, aber fahrts langsam“ ziehen. So kanns auch mal gehen.

Niederösterreich 2014 Tag 7

Angekommen in Prinzersdorf sehen unsere Thunderbird plötzlich aus wie gepudert. Auf einer Baustelle muss sich das Kalkzeugs auf die Mopeds verteilt haben und weil die Strasse ein wenig feucht war, pappt der Mist wie Hundedreck. Das Gröbste bekommen wir ab, aber richtig sauber wird meine Maschine erst wieder zu Hause – nach einem 60-Minuten Einsatz.

 

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