Im Schneebergland

Endlich wieder ein Zweiradurlaub in Österreich – der aber in vielerlei Hinsicht etwas anders sein wird als unsere früheren Besuche. Zum ersten mal werden wir zu dritt unterwegs sein und die Fahrzeuge unserer Wahl sind ausschließlich Motorroller mit 125 ccm. Mit diesen relativ langsamen Fahrzeugen werden wir mehr von Land und Leuten sehen als mit schnellen Motorrädern, und außerdem sind die kleinen Roller einfach positiver besetzt. Ob diese Überlegungen wirklich aufgehen, werden wir sehen.

Unsere kleine Reise wird am 14. Juni spät abends starten. Dann geht es mit PKW und Hänger, beladen mit zwei Motorrollern auf die Raststätte Rhön bei Fulda, wo wir Hartmut treffen, der seinen Roller ebenfalls auf einem Hänger transportiert. Anschließend ziehen wir im Konvoi durch Bayern nach Österreich unserem Ziel entgegen: Puchberg am Schneeberg in Niederösterreich, das wir gegen Mittag des nächsten Tages erreichen wollen.

So zumindest ist der Plan, aber manchmal kommt es anders als man denkt – so auch diesmal. Doch dazu später.

Tag 1:  Aufbruch, Drama und viel Glück

Tag 2: In den Mühlen der Bürokratie

Tag 3: Der Semmering

Tag 4: Auf dem Schneeberg

Tag 5: Durch die Bucklige Welt

Tag 6: Im Ostteil der Buckligen Welt

Tag 7: Der Rohrbachgraben

Tag 8: Das schöne Helenental

Tag 9: Über den Tellerrand geschaut

Tag 10: Viel zu kurz

 

Tja, viel zu kurz, wie eigentlich jeder Urlaub in Österreich. Natürlich haben wir auch diesmal nicht alles gesehen, was wir uns vorgenommen haben: Den Ötscher, einen magischen Berg in den nördlichen Kalkalpen. Die Befahrung des Semmeringpasses auf zwei Rädern hat auch nicht geklappt, ebenso wie die Umfahrung des Neusiedler Sees oder ein Besuch in Wien oder ein Abstecher nach Ungarn. Bleibt also die Hoffnung auf das nächste Jahr – und darauf freue ich mich jetzt schon

Hier sehen wir hier die drei Protagonisten der Show:

Jürgen

Jürgen, unser erfahrener Österreich-Reisender. Er ist unterwegs mit einem soliden Honda Spacy Roller.

Hartmut

Hartmut aus Bad Brückenau, der Neuling unserer Reisegruppe. Sein Fahrzeug ist ein Yamaha X-Max, der modernste Roller des Feldes.

Berni

Und meine Wenigkeit: Berni mit der fast klassischen Vespa GTS.

Und was die Fahrzeuge angeht: Weder mit dem Honda Spacy noch mit der Vespa GTS gab es Probleme. Jürgens Befürchtungen, dass der kleine Spacy im Gebirge zu schwächlich sein könnte, haben sich nicht bestätigt. Trotz deutlich geringerer Leistung war er der Vespa gerade am Berg sogar etwas überlegen. 10 gesunde Honda-PS gegen 15 italienische Cavalli – dieses Spiel hat Honda für sich entschieden.

Abgesehen davon hätten beide Roller etwas schneller sein können: Mit einer 300er Vespa oder Bellavita wäre manche Situation entspannter gewesen. Aber das nur am Rande.

 


Testfahrt auf Luthers Spuren

Als heute der Regen aufhört und ich mit dem Hundespaziergang durch bin, ist jetzt die Testfahrt mit der Vespa fällig. Ihr wisst schon: Hatte das Beschleunigungsloch zwischen 70 und 80 km/h mit dem (von mir selber) zugekleisterten Luftfiltereinsatz zu tun? Wenn ja, dann müsste es ja mit dem neuen Einsatz weg sein. Also auf den Roller und los.

Außerdem warten zwei weitere Ereignisse auf mich: Das ist zum einen die ADAC Oldtimer Ralley des MSC Horlofftal und zum anderen das Hängertreffen am Falltorhaus.

Die Oldtimer Ralley führt in diesem Jahr auf den Wegen Martin Luthers durch Wetterau und Vogelsberg. Das Studium der Route sagt mir, dass ich den Tross zwischen Freienseen und Laubbach abfangen kann. Da gibt es eine schöne Stelle zwischen zwei Kurven. Und von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit zum Hängertreffen am Falltorhaus.

Vespa GTS125

Nach ein paar Kilometern über Sellnrod, Alteinhain und Schotten nach Freienseen kann ich sagen: Das Beschleunigungsloch ist restlos verschwunden. Ist mir auch noch nicht passiert, dass ich ein Fahrzeug auf diese Art gedrosselt habe. Aber jetzt ist alles gut.

Vespa GTS125

An diesem Ort, genau am Abzweig in Richtung Gonterskirchen, werde ich dem Oldtimer Tross auflauern.

Vespa GTS125

Der Roller wird abgestellt, ich greife mir die Fotoausrüstung, lockere die Kleidung ein wenig ………..

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

……. dann kommt auch schon das erste Fahrzeug: Ein Shelby. Wie ich von Egon weiss, starten mehr als 20 dieser Boliden zuerst. Hier also Numero 1.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Da haben sich doch ein paar Zweiräder zwischen die Shelby-Meute gemogelt.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Hier muss ich überlegen, was dieses Fahrzeug mit Oldtimern zu tun hat. Und dann fällt es mir ein: Als Kontrastprogramm hat der MSC etliche Fahrzeuge mit Elektroantrieb mitfahren lassen. Klar, deshalb höre ich auch bis auf das Abrollgeräusch der Reifen nichts. Eine gute Idee. Verglichen mit dem ECOpia werden all unsere heutigen Fahrzeuge Oldtimer sein.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Zwischendurch wirds auch mal richtig alt.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Sobald die Fahrer eine Kamera sehen, treten einige noch mal extra aufs Gas. So krieg ich was geboten.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Meine Lieblinge sind amerikanische BigBlocks.


Einfach Klasse, wie der BigBlock durch die Landschaft wummert.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Und immer wieder zwischendrin alte Kräder, Mopeds und Roller.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Der kleine NSU TT lässt es in der Kurve ordentlich laufen.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Nobel und absolut stilsicher bis zum Jacket.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Das wäre so ein Oldie für mich: Ein Opel Rekord A.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Der DKW 3=6 zieht mit tollem Zweitakt-Spruzz durch die Kehren.

ADAC Oldtimer Fahrt 2017 MSC Horlofftal

Der wunderbare Samba-Bus von VW. Nach diesem kleinen Highlight verlasse ich meinen Beobachtungsplatz und fahre weiter zum Falltorhaus. Mal sehen, was die Motorrad-Anhänger-Fraktion so treibt.

Hängertreffen am Falltorhaus

Am Falltorhaus ist ganz gut was los, allerdings ……….

Hängertreffen am Falltorhaus

……. ist der Zeltplatz der Hängerfraktion extrem dünn besucht. Habe das Gefühl, dieses Treffen findet in jedem Jahr weniger Teilnehmer. Es gibt wohl doch nur wenige Anhängerfreaks.

Hängertreffen am Falltorhaus

Immerhin ein schönes 750er Ural Gespann plus Hänger.

Hängertreffen am Falltorhaus

Die Anhängerfreunde haben natürlich locker Platz für Gepäck und sogar den Schäferhund.

Hängertreffen am Falltorhaus

Goldwings sind natürlich die richtigen Zugfahrzeuge.

Hängertreffen am Falltorhaus

Das für mich interessanteste Hänger-Gespann: Ein kleiner Chinaroller mit Elektroantrieb. Sehr putzig.

Falltorhaus

Und das war’s auch schon mit den Hängern. Ich bummele noch ein wenig über den Platz, begrüße eine Truppe aus meiner alten Heimat RE …….

Falltorhaus

Banne noch schnell die schicke MZ TS250 auf die Linse und damit ist mein Rollertag beinahe beendet. Noch eben 30 Kilometer nach Hause, wo ich noch ein paar winzige Kleinigkeiten an Vespa und Enfield erledige, und das war’s dann für heute.

Ins Knüllgebirge

……. führt mich meine Fahrt heute, und ausnahmsweise nicht wegen der Landschaft, auch nicht wegen der Knülljause, sondern aus zwei Gründen: Zum einen gibt es die Information aus dem Berftal über eine kleine Oldtimershow in Neukirchen und zum anderen ist wieder ein Test fällig. Gestern habe ich nämlich am linken Gabelholm der Harley den Wellendichtring gewechselt, was allerhöchste Zeit war.

Diese Wellendichtringmisere mit dem linken Holm verfolgt mich schon eine ganze Weile, wobei ich diesmal selber schuld war: Hab den Dichtring beim letzten mal falsch herum eingesetzt. Und was ich gestern noch bemerkt und natürlich umgehend abgestellt habe: Das Öl aus dem Gabelholm ist bis auf die Bremsbeläge gewandert. Kein Wunder also, dass mir die Wirkung der vorderen Scheibe etwas schwächlich erschien. Die Beläge sind jetzt jedenfalls neu. Also gilt es, Dichtheit der Gabel und Wirkung der Bremsen zu testen.

Noch heute morgen bin ich überzeugt, keinen Meter fahren zu können: Unwetterwarnungen und eine Regenwahrscheinlichkeit von fast 90% werden prognostiziert. Aber, oh Wunder, am Mittag ist die Prognose korrigiert und es gibt keinen Regen mehr. Also auf!

Zum ersten mal hab ich mir vorgenommen, die Sportster überhaupt nicht sportlich zu fahren, sondern so, wie es sich für einen Cruiser gehört. Richtig sportlich gefahren ist so eine alte Sportster nämlich sehr anstrengend. Einfaches Fahrwerk, harte Federelemente, der ruppige Motor mit seinen Vibrationen, die mäßigen Bremsen – all das kann anstrengend werden. Und der Jüngste bin ich ja auch nicht mehr. Und deshalb wird heute recht moderat gefahren.

HD Sportster

The heaven never seems so near – traumhaftes Wetter begleitet mich durch den gesamten Altkreis Alsfeld. Und die moderate Fahrweise zahlt sich aus: Nach kurzer Zeit bin ich geradezu tiefenentspannt.

Oldtimer in Neukirchen

Nach knapp 50 Meilen bin ich bereits in Neukirchen, wobei ich nicht die kürzeste Route genommen habe. Schon auf den ersten Blick ist zu sehen, dass die Show stark landwirtschaftlich geprägt ist, aber das macht überhaupt nichts. Alte Schlepper sind ja was Feines.

Oldtimer in Neukirchen

Und natürlich auch neue Schlepper wie diese John Deere Familie.

Oldtimer in Neukirchen

Wie man sieht kann John Deere aber auch klein.

Oldtimer in Neukirchen

Dem größten John Deere Schlepper reiche ich gerade mal ans Vorderrad – beeindruckend.

Oldtimer in Neukirchen

Eine kleine Lanz-Gruppe.

Oldtimer in Neukirchen

Das einzige Motorrad ist die feine Kreidler, hier in der Mokick-Ausführung mit 2,6 PS. Gabs aber auch als Kleinkraftrad mit 4,2 PS, und die war seinerzeit der Traum meiner Jugend.

Oldtimer in Neukirchen

Hier geht es um den Hund, einen riesigen Briard, den ich anfangs sogar für einen Wolfshund gehalten habe.

Oldtimer in Neukirchen

Vorn der große Ursus, quasi das polnische Pendant zum deutschen Lanz Bulldog. Der Ursus wurde übrigens im gleichen Werk gebaut wie die 350er Junak.

Oldtimer in Neukirchen

Der deutsche Traumschlepper, ein Schlüter. Schön wie eine italienische Diva.

Oldtimer in Neukirchen

Aber auch kleine Schlepper haben ihren Reiz.

Oldtimer in Neukirchen

Hanomag-Schlepper, rechts der Ackerdiesel.

Oldtimer in Neukirchen

Manche Hanomag waren schon fast Autos.

Oldtimer in Neukirchen

Mit einem Blick auf die schönen Messingteile des Ursus verabschiede ich mich von diesem Oldtimer Event – mit bestem Dank ins Berftal für den guten Tipp.

HD Sportster

Den Rückweg nehme ich nicht durch den Altkreis Alsfeld sondern über die Schwalm. Das Wetter ist immer noch prima, aber eine steife Brise hat eingesetzt und am Himmel erscheinen ein paar dunkle Wolken. Hier, an einem einsamen Sträßchen zwischen Röllshausen und Holzburg, prüfe ich die Gabel: Sieht alls wunderbar dicht aus – bisher. Und die Bremse mit den jetzt ölfreien Belägen bremst wie einst im Mai. So soll es sein.

HD Sportster

Hier mache ich ein Päuschen von 25 Minuten und in dieser Zeit kommt hier kein Fahrzeug und kein Mensch vorbei – einfach klasse. Danach cruise ich weiter in Richtung Vogelsberg und mit dieser Fahrweise bin ich wirklich entspannt und nur unwesentlich langsamer als im Sport-Modus. Muss mich aber manchmal zu dieser Gelassenheit zwingen.

Nach ziemlich genau 100 – nein, nicht Kilometern, sondern Meilen, bin ich dann wieder daheim. Zuletzt gab es ein paar völlig unerhebliche Regentropfen, aber den richtig dunklen Wolken konnte ich davon fahren. Und auch zu Hause ist die Gabel noch dicht. Ich denke, ich kann zufrieden sein.

Just as every year: Heiligabend auf dem Hoherodskopf

Die Wetterprognose für den Heiligabend ist für die Freunde der weißen Weihnacht sehr schlecht, für die Besucher des traditionellen Heiligabend-Treffens auf dem Hoherodskopf dagegen recht manierlich: Temperaturen bis 10°C und leichter Regen.

Ich selbst gehöre eher der Hoherodskopf-Fraktion an und ziehe mich gegen 9:00 einigermaßen warm an, um auf zwei Rädern den Hoherodskopf zu besteigen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

So sieht die Welt da draußen aus, als ich um kurz nach 9:00 das Haus verlasse und die grüne Cosa aus dem Schuppen rolle – die ist nämlich heute das Fahrzeug meiner Wahl. Es nieselt leise vor sich hin, ist aber tatsächlich nicht kalt.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Aber ab etwa 550 Höhenmetern ändert sich das Bild: Eine dicke Nebelsuppe liegt über dem Land, es wird ordentlich kalt und dazu bläst ein strammer Wind. Hier fühlt es sich doch nach Winter an. Die grüne Cosa zieht von all dem unbeirrt ihren Strich durch und bringt mich immer höher hinauf.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Etwas weiter sind gar noch Schneereste zu sehen, die mit jedem Höhenmeter zunehmen. Ein paar mal komme ich mit meinen K58 Allwetterreifen sogar auf dicken Schnee- und Eisplacken leicht ins Rutschen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Und schon habe ich den Hoherodskopf erreicht. Der Nebel hat noch deutlich zugenommen und der Wind ist hier oben bitterkalt. Das insgesamt unfreundliche Wetter dürfte der Grund dafür sein, dass erst eine Handvoll Besucher am Orte sind, darunter natürlich auch die ersten GS-Reiseenduros – aber wo sieht man die heutzutage mal nicht.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Allerdings ist da auch die dicke Victory, die ich jetzt schon im dritten Jahr hier oben treffe.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Jetzt läuft auch das erste Gespann ein.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Ein klassisches BMW-Gespann im Schwingenrahmen mit Gleitlagermotor und …..

Heiligabend auf den Hoherodskopf

….. mit Verbundrädern, die einen richtig guten Eindruck machen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Vom Parkplatz aus ist im dichten Nebel kaum Doros Büdchen zu erkennen. Hier wird es bald die berühmte Erbsensuppe geben.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Und hier haben wir die „Schöne Aussicht“, von der aus Du weit über den Vogelsberg und bis in den Taunus und nach Frankfurt herein schauen kannst – aber nicht heute.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Die ersten Bronx-Feuertonnen werden angezündet, und das tut auch not: Der kalte Wind sorgt für gefühlte Minustemperaturen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Gegen den kalten Wind hift vorzüglich die Nikolausmütze, die mal vor Jahren hier oben verteilt wurden. Da war es nämlich richtig kalt und ungemütlich.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Mittlerweile sind zwar einige Motorräder dazu gekommen, aber die Zahlen der letzten Jahre werden nicht annähernd erreicht.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

In den vergangenen Jahren hast Du hier vor lauter Menschen Doros Büdchen nicht gesehen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Die beiden Hunde erinnern mich daran, dass bisher mein Lieblingshundchen fehlt: Die kleine Bulldogge. Und sie taucht auch nicht mehr auf.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Ein kleines Häuflein vom Grünberger AMC läuft ein, darunter nicht ein einziges Russengespann. Hier ist eindeutig eine neue Ära angebrochen. Und Karl-Otto kommt gar ganz ohne eigenes Fahrzeug und hockt statt dessen bequem im Seitenwagen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Eigentlich sind diese drei schicken Ducati keine typischen Winterfahrzeuge, aber sie haben den Weg hierhin gefunden. Toll!

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Nicht ohne Grund etwas abseits parkt der grundhässliche C1 von BMW – und wurde gelenkt von Martin, der ansonsten mit den exotischsten und ausgefallensten Maschinen hier auftritt. Wobei diese Gurke ja schon ein geeignetes Fahrzeug für dieses Treffen ist, sogar noch geeigneter als meine grüne Cosa.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Es gab Zeiten, da haben die Teilnehmer vom Grünberger AMC kaum aufs Bild gepasst, so viele waren das.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Bei dem guten Zustand der Chrom- und Aluteile der Victory kommt beinahe der Gedanke auf, dass der Bolide womöglich gar nicht auf eigener Achse hier angekommen ist. Kann mich natürlich auch schwer täuschen.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Die Beta Trial tänzelt heran. Und während ich mich noch frage, wie oft die Maschine unterwegs nachtanken musste, stellt sich heraus, dass sie dem Bauch eines Kleintransporters entsprungen ist.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Eindeutig hat aber die Beta das schönste und kleinste Nummernschild aller Maschinen. Dass es nur in einem winzigen Bereich des Main-Kinzig-Kreises Gültigkeit hat, ist eine andere Sache und spielt bei der Bewertung keine Rolle.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Mittlerweile ist es Mittag und ich bereite mich auf den Rücksturz zur Erde vor.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Auf den ersten Kilometern friert das beschlagene Visier zu, aber schon ab Feldkrücken ist es vorbei mit Nebel, Wind und Kälte. Dafür regnets jetzt.

Heiligabend auf den Hoherodskopf

Und kaum bin ich zu Hause, hört der Regen auf und die Sonne bricht durch. Aber ehrlich gesagt war mir das Wetter oben auf dem Hoherodskopf gerade recht. Jetzt raus aus den Klamotten und den Scooter-Boots und ab ins Warme. Frohe Weihnachten.

Netterweise ist auch ein Päckchen direkt aus Indien mit Enfieldteilen angekommen – sehr schön.

Open House bei Bernie

Es ist wieder so weit: Bernie lädt zum Open House in seine Harley-Niederlassung in Dutenhofen ein. Eine entsprechende Veranstaltung im Frühjahr war ja leider ziemlich verregnet, weshalb ich damals auch nicht dabei war. Aber heute ist ein Herbsttag vom Allerfeinsten und da mach ich mich schon um 9:00 auf in Richtung Dutenhofen. Denn eines müsst ihr wissen: Ich mag diese Open House Veranstaltungen bei Bernie sehr – schon wegen der wunderbaren Harleys, die ich hier Probefahren durfte.

1988er Sportster

So schön der Morgen aber auch aussieht und so wunderbar sich der Tag weiter entwickeln wird: Um 9:00 ist es noch verdammt kühl und ich bin gerade so angezogen, dass es zum Aushalten ist. Dafür werde ich natürlich später stark transpirieren. Gerade durchfahre ich die Rabenau bei Odenhausen, wo oben die Sonne scheint und unten im Tal noch der Nebel liegt – sehr hübsch.

1988er Sportster

Später im Gleiberger Land liegt Burg Gleiberg noch im morgendlichen Dunst, …..

1988er Sportster

….. ebenso wie Burg Vetzberg und ……

1988er Sportster

….. auch der Moloch Wetzlar ist unter der Dunstglocke kaum zu sehen. Aber hier weiss ich, dass es nur noch etwa 10 Minuten bis nach Dutenhofen sind.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Angekommen bei Bernies Harley Davidson im Industriegebiet am Handelshof – und hier ist schon richtig Betrieb. Ist natürlich bei diesem Wetter kein Wunder. Jedenfalls spricht viel dafür, dass dies ein prima Tag hier wird.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Im Eingangsbereich dieses weisse Schlachtschiff. Eigentlich ist diese Bauart nicht unbedingt mein Fall, aber ich muss zugeben: Diese Police Machine hat was.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Alles sehr schön umgesetzt und mit viel Liebe gemacht, hier passt einfach alles.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Die Speichenräder mit den ca. 6 mm starken Speichen sind ein Traum.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Auch aus diesem Blickwinkel eine Augenweide. Und mit den Koffern könnte ich vermutlich auf Europareise gehen.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Links parken bereits etliche Besucher Harleys und rechts vor den Schaufenstern werden einige Gebrauchte angeboten.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Darunter diese Rarität: Eine 1977er Ironhead Sportster in ziemlich originalen Zustand.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Ich hab ja für die Eisenköpfe eine große Schwäche und die hier wäre mein Fall. 7200 € steht auf dem Preisschild – aber ein Holländer neben mir sagt: Too much! In den Niederlanden wäre es kein Problem, so etwas für etwa 4000 € zu bekommen. Schätze, der Typ hat recht.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Sehr schöne Armaturen hat die Ironhead – könnten aus der Schmiede von Wannebe Choppers kommen.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Hier herrscht jetzt ein reges Kommen und Gehen und es gibt viel zu beobachten.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Die Buell wird zum Verkauf angeboten und ist gar nicht mal so teuer: Unter 4000 €. Wenn die Ironhead zu diesem Preis hier stünde, würde ich auf der Stelle Reinhard bitten, mit einem Hänger zu kommen.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

In den heiligen Hallen hats natürlich alle neuen Modelle, wobei diese hier aber noch ein 2016er Modell ist.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Das hier ist aber endlich ein 2017er Modell: Eine Roadking mit dem neuen 107 cu Motors mit der Bezeichnung Milwaukee 8.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

In diversen HD-Foren wird der Milwaukee 8 ja kontrovers diskutiert und die 4-Ventil Zylinderköpfe gefallen nicht jedermann. Ich aber finde den Motor optisch gut gelungen, bis auf …..

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

….. eine Kleinigkeit: Die Kunststoffabdeckung des Kühlers hat den Charme der Inneneinrichtung eines Nissan aus dem Jahre 1965. Das geht ganz sicher besser.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Und noch eine Roadking mit dem neuen Motor.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Sogar eine Street 750 wird hier gezeigt. Das Motorrad wird ja bekanntlich in Indien gefertigt und den Sparzwang siehst und fühlst Du dem Ding auch wirklich an. Andererseits hat so ein Underdog-Motorrad auf mich auch einen seltsamen Reiz. Würde natürlich einem Enfield Fahrer gut zu Gesicht stehen.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Im Innenhof stehen wie immer die Maschinen zu Probefahrten bereit. Natürlich sind die neuen Motoren besonders begehrt bei den Interessenten.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Dementsprechend sind die Milwaukee 8 Maschinen fast ständig on Tour.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Ich verfolge ein paar Gespräche über den neuen Motor und die Resonanz ist eigentlich rundum positiv.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Nach der Probefahrt äussern sich alle Tester begeistert: Der Motor zieht extrem gut durch, noch besser als der „alte“ 103er. Druck wäre bereits kurz nach Standgas vorhanden und im Leerlauf blubbert die Maschine ganz niedertourig vor sich hin. Vielleicht sollte ich doch mal …..

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

….. aber nein, ich habe mich heute für diese wunderschöne De Luxe entschieden. Die hat zwar noch den „alten“ TwinCam mit 103 cu, aber aus vergangenen Probefahrten weiss ich, wie klasse der schon durchzieht.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Aber noch ist es mir zu früh für eine Testfahrt, die will ich später machen. Ein Fehler, wie sich heraus stellen wird.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Auch eine Street 750 steht zur Probefahrt bereit – und aus lauter Mitleid findet sich sogar ein Fahrer. Dass der sich vorher einen langen Bart umhängt, hat natürlich nichts zu bedeuten. Aber der Herr ist Fahrlehrer und kann sich die Street tatsächlich als Fahrschulmaschine vorstellen. Ist bestimmt werbewirksam, wenn im Schaufenster ein Schild hängt: „Wir schulen auf Harley Davidson“.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Jetzt gehts durch die Werkstatt auf die andere Gebäudeseite. In der piekfeinen Werkstatt finden sich diese wirklich schönen Softtails: Klasse Farben. Und so schnörkellos mag ich die Big Twins am liebsten.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Auch hier stehen jede Menge Kundenmaschinen, und empfangen werde ich von zwei wunderbaren Shovelheads.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Nicht ohne Grund gelten die Shovelheads mit als die schönsten Motoren. Beim Fotografieren werde ich doch glatt verdächtigt, Werksspionage zu betreiben und der Konkurrenz womöglich geheime Geheimnisse über die streng geheimen Shovels zu liefern.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Ein Auspuffhersteller stellt seine Produkte optisch und akustisch vor – und gibt 10% auf jede Anlage. Aber nix für mich, ich mags etwas leiser.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Das gewaltigste Krad heute ist diese ….. 800er Suzuki Intruder. Unglaublich!

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Ahh, endlich Essen. Hier grillt eine Truppe namens Sons of BBQ ganz klasse Fleischprodukte. Ich gönne mir einen Beef Burger, und der ist 100 mal besser als das Zeugs bei McDonalds oder Burger King.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Hier sind ganz, ganz wenig Fremdfabrikate vertreten, aber speziell für Reinhard stelle ich diese niedliche Triumph 125 aus Nürnberg vor. Ist völlig original mit der Patina von rund 60 Jahren.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Mit ganz leichten Startschwierigkeiten hat der Fahrer aber zu kämpfen.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Bei den meisten Harleyfahrern gilt ja eine Sportster wenig und es muss schon ein echter BigTwin sein. Aber es gibt doch etliche der einfachen, kleinen und handlichen Sportster hier zu sehen.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Hier (im Hintergrund) sogar eine extrem puristische. Mehr Motorrad braucht man eigentlich nicht – oder doch?

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Einfach nur ein nettes Motorrad 🙂

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

So langsam denke ich daran, die prima Veranstaltung zu verlassen. Gab schon viel zu sehen hier: Wunderbare Motorräder, nette Leute, Bad Boys, Windgesichter, Zahnwälte, Stadtindianer – alles und noch mehr war vertreten. Und so macht das natürlich Spaß.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Und auch wenn das Durchschnittsalter eher hoch ist und selbst ich als Oldie hier nicht auffalle, so gibt es doch etliche jüngere und junge Leute, die sich für die V-Twins interessieren.

Open House 2016 bei Bernies Harley Davidson

Ach ja, die Probefahrt mit der blauen De Luxe! Zuerst will ich noch nicht, dann ist’s mir zu warm, dann ist die Maschine gerade unterwegs oder es stehen gewaltige Schlangen davor. Gut, eine Chance geb ich mir noch, aber wie man sieht: Schlangenbildung. Auf join the queue hab ich jetzt auch keinen Bock mehr, und so wirds dann doch nix mit meiner Probefahrt. Ist schon ein bisschen schade, denn das wäre meine erste Fahrt auf einen Harley Tourer mit Trittbrettern gewesen. Mal schauen, vielleicht geht ja noch was beim Open House in Fulda.

1988er EVO Sportster

Also verlasse ich gegen 15:30 die sehr angenehme Veranstaltung. Mittlerweile ist es richtig heiss und ich bin froh, wieder den Fahrtwind zu spüren. Ich kurve noch ein wenig durch den Lahn-Dill-Kreiis und das Marburger Umland, bis ich über den Ebsdorfergrund wieder an den Rand des Vogelsberges zurück kehre. So bin ich dann am Ende des Tages doch noch gute 100 Meilen Motorrad gefahren.