Auseinander

Nach der reinen Lehre und auch dem Handbuch können die beiden Gehäusehälften nach dem Lösen der Verbindungsbolzen und dem Abziehen des Steuerrades auf der Kurbelwelle einfach auseinander gezogen werden. In meinem Fall trifft dies leider nicht zu und bisher hat der Motor allen Versuchen, ihn zu trennen, widerstanden. Natürlich hab ich bislang auch keine Gewalt eingesetzt.

Heute jedoch bin ich wild entschlossen, die Gehäusehälften zu trennen und begebe mich dazu gegen 14:00 in die kalte Werkstatt.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Nochmal kontrollieren, ob wirklich alle Schrauben gelöst sind. Auf der Steuerseite ist alles in Ordnung, auch das Steuerrad ist von der Kurbelwelle gezogen.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Keine versteckten Befestigungen der beiden Hälften zu sehen, alles OK.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Auch auf der Antriebsseite erkenne ich keine weiteren Verbindungen. Meine vorsichtigen Versuche, die beiden Hälften zu trennen, klingen aber so, als wäre da noch irgendwo eine vergessene Schraubverbindung. Aber da ist nichts, wie mir auch der Blick ins Ersatzteilhandbuch bestätigt.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Die Kurbelwelle soll ja beim Trennen in der antriebsseitigen Gehäusehälfte verbleiben. Obwohl es also nicht nötig ist, entferne ich den Wellendichtring, den Seegering und den Laufring für den Wellendichtring. Der ist ein bisschen eingelaufen und die etwas kürzere Seite ab der Einlaufstelle gehört in Richtung Lager. Aber ich werde wohl sowieso einen neuen Laufring einbauen.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Nach fast drei Stunden vergeblicher Bemühungen komme ich auf diese Konstruktion, mit der ich die beiden Hälften gaaaanz vorsichtig auseinander drücken will.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Verbunden mit mittleren Schlägen des Gummihammers zeigt sich dann tatsächlich ein erster Spalt. Haleluja!!!

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Mittels einiger kleiner Holzkeilchen erweitere ich den Spalt Stück um Stück.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Gewonnen! Der Spalt geht nun ringsum und ab jetzt geht das Trennen ganz leicht. Puh, war das mühsam.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Sowohl das Kurbelgehäuse als auch der Öltank sind am Boden mit eine zähen dicken Schicht aus Ölschlamm bedeckt. Ob man das durch häufigen Ölwechsel vermeiden kann? Ich denke schon.

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Ansonsten siehts da drinnen nicht so übel aus – aber halt, da ist doch etwas!

Überholung Enfield Bullet 500 Motor

Der Innenring des steuerseitigen NU-Lagers ist locker und hat sich auf der Welle gedreht. Dabei ist es dem Wellenstumpf ganz schön heiß geworden. Das ist leider ein bekanntes Enfield-Problem und der Grund ist, dass der Lagersitz häufig einen Tick zu klein ist. Da muss ich klären, ob das mit Lagerkleber repariert werden kann oder ob eine neue Welle fällig ist.

Auch wenn es mühsam war, so habe ich dennoch mein heutiges Ziel erreicht. Und kuschelig warm ist es auch nicht gerade in der Werkstatt. Also Schluß für heute und ab in die warme Hütte. Bis demnächst.

Der Traum unserer Jugend

……. kommt heute in Gestalt von Jürgen und seiner „neuen“ alten 1970er Honda CB450 vorbei. Und ich muss sagen, diese Honda hat nichts von ihrer damaligen Faszination verloren. Immer noch ein Traum – und Jürgen hat ihn sich erfüllt.

1970er Honda CB450

Quasi blind aus Hamburg gekauft, dann ungezählte Stunden aufpoliert und geplockert – und jetzt ist die Honda in etwa so, wie Jürgen sich das vorgestellt hat. Ein Traum in rot, Alu und Chrom, dazu schön wie eh und jeh.

1970er Honda CB450

Eine Diva aus jedem Blickwinkel.

1970er Honda CB450

In meinem Wohnort in den 70er Jahren gab es zu besten Zeiten vier Stück dieser Honda. Wenn die am Motorradtreff bei Strohmann standen, kam ich mir mit meiner alten DKW vor wie ein Unberührbarer in Indien.

1970er Honda CB450

Die optisch besonders schöne Duplexbremse, auch heute noch durchaus brauchbar.

1970er Honda CB450

Mit diesem Motor hat Honda den Niedergang der britischen Motorradindustrie eingeläutet: Schnell, stark, zuverlässig.

Um diese Honda muss man Jürgen einfach beneiden. Das könnte ein paar schöne Touren mit CB450 und XBR geben.

Adieu Max

Ich hätte noch tagelang an der Max schrauben können und dabei einen Riesenspaß gehabt. Aber natürlich möchte Jürgen die NSU auch mal wieder haben und so hab ich mich mit der Abholung heute Einverstanden erklärt.

NSU Spezial Max

Zugegebenermaßen ist der Jürgen ein würdiger Maxfahrer – und Besitzer. Und ganz ohne Zwang hat er mir zugesichert, dass ich das Mäxchen jederzeit für eine Tour haben könnte. Na also.

Schrauben an der NSU Max

….. das ist bei mir so runde 35 Jahre her. Kurz darauf habe ich all meine Mäxe verkauft – und trauere den schönen Krädern seitdem hinterher.

Aber mein Bekannter Jürgen hat sich vor ein paar Monaten eine schöne Spezial-Max gekauft, an der trotz optisch tollem Zustand einiges zu Schrauben ist. Nach dem Reinfall bei Motzke meidet Jürgen Werkstätten und wir haben entschieden, ein paar Kleinigkeiten heute zusammen zu erledigen. Als dann aber Jürgen die mit der Max vorbei kommt, entscheide ich mich um und schicke Jürgen wieder nach Hause – aber ohne die Max, die bleibt hier und die werde ich heute ganz allein beschrauben und dabei in 80er Jahre-Erinnerungen schwelgen.

NSU Spezial Max

Immer noch ein Bild von einem Motorrad ist die NSU Max – klassische deutsche Schule der 50- und 60er Jahre. Und eine Supermax ist noch einen Tick schöner.

NSU Spezial Max

Der optische Zustand von Jürgens Max ist ausgezeichnet, ohne dass das Krad überrestauriert wirkt.

NSU Spezial Max

Mit Motorrad meint man Max – so hieß damals der NSU Werbeslogan.

NSU Spezial Max

Ein aufgeräumter Motor.

NSU Spezial Max

Aus jeder Perspektive eine Augenweide.

NSU Spezial Max

Spartanisches Cockpit – aber völlig ausreichend.

NSU Spezial Max

Diese einfache Vollnabenbremse ist der Enfield Duplexbremse klar überlegen.

NSU Spezial Max

Jetzt gehts wirklich ans Schrauben. Der Vergaser wird demontiert und zerlegt, ebenso der Gasdrehgriff. An Stelle der Standgasschraube wurde einfach eine M7 Schraube ohne Spitze eingedreht. Weitere Macken sind ein Kaltmetallbatzen an der Ölablassschraube des Motor und Undichtigkeiten an den Ölschläuchen am Motor. Das sieht jetzt schon weniger gut aus.

NSU Spezial Max

Um den Vergaser und den Gasdrehgriff zu testen, gehe ich auf eine kleine Probefahrt – endlich mal wieder eine Max unterm Hintern.

NSU Spezial Max

An die langen Schaltwege kann ich mich sofort erinnern und schon klappt das Schalten perfekt. Der Motor geht prima und macht richtig Spaß.

NSU Spezial Max

An der Grillhütte stelle ich nochmal die Gemischregulierschraube nach und drehe anschließend etliche feine Kilometer. Und wer meint, aus meinen Sätzen herauszuhören, dass eine Max ins Haus soll, der hat nicht ganz unrecht.

Schock eines Maxfahrers

Vor zwei Wochen hatten Jürgen und Bärbel ihre NSU Max ja nach Büchenberg zum NSU Motzke gebracht, wobei ich die beiden begleitet habe. Jetzt bekommt Jürgen den Anruf, dass die Max fertig sei und abgeholt werde könne. Diesmal machen sich die beiden ohne mich auf den Weg und Jürgen holt die Max auf eigener Achse heim.

Es wurde so einiges an der Max gemacht: Neue Ölschläuche, teilweise neue Züge, etliche Vergaserteile erneuert, ein kleineres Motorritzel verbaut, beide Bremsen überarbeitet – mehr fällt mir gerade nicht ein. Ich hätte den Aufwand auf ca. 5-6 Stunden geschätzt. Dass die Rechnung dann aber über fast 1000 € lautet, hat den Jürgen aber doch gewaltig geschockt.

Naja, Oldtimer sind eben ein teures Hobby, und ganz ohne selbst zu Schrauben ist das eigentlich nicht drin. Da werden wir versuchen müssen, dem Jürgen ein paar Dinge zur Max beizubringen, damit sich solch ein Schock nicht wiederholt.

NSU Max

Der Schock über die unerwartet hohe Rechnung ist Jürgen immer noch anzusehen.

NSU Max und Enfield Bullet 500

Aber eines steht fest: Hier stehen zwei richtig schöne Einzylinder.

Enfield Bullet 500

Nach dem Besuch in Sellnrod drehe ich noch meine obligatorische 50 Kilometer-Runde mit der Enfield. Heute geruht die indische Lady, mal nicht zu zicken. Aber ehrlich: Was kann die Enfield für den Ausfall eines chinesischen Relais? Nix, rein gar nix. Indische und chinesische Teile können eigentlich auch gar nicht harmonieren.